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Tücher und Bücher" im Augsburger Brechthaus - Eröffnung der neuen Ausstellung

Screenshot 2026 02 12 174654Augsburg, den 12.02.2026 Anlässlich des Gedenkjahrs zum 70. Todestag des Dichters und Dramatikers Bert Brecht zeigt das Augsburger Brechthaus ab dem 13. Februar die von Dr. Ingvild Richardsen kuratierte Sonderausstellung „Tücher und Bücher. Von Augsburg in die Niederlande: Hein Kohn (1907 – 1979). Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagent und Kulturvermittler“. Grafisch gestaltet und realisiert wurde die Ausstellung von Markus Komposch und Christoph Komposch von der Firma creativeJAM
in enger Zusammenarbeit mit der Kuratorin. Begleitet wird die Ausstellung unter anderem durch vier von der Kuratorin gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit konzipierte  Matineen am 15. Februar, 12. April, 13. September und 8. November (jeweils 11 Uhr), die die Themen der Ausstellung vertiefen und das Jahresprogramm der Gedenkstätte in Bertolt Brechts Geburtshaus ergänzen.

2026 jährt sich der Todestag des 1898 in Augsburg geborenen, 1956 in Ost-Berlin verstorbenen Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht zum 70. Mal – das Gedenkjahr fällt mit einem Jubiläum zusammen: Die von Bert Brechts Freund, dem Augsburger Buchhändler Hein Kohn, im niederländischen Exil gegründete Literaturagentur „Internationaal Literatuur Bureau B.V.“ feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen. Bis heute ist das renommierte niederländische Unternehmen in Familienhand. Es wird von Linda Kohn, der Enkelin Hein Kohns, geführt.

Hein Kohn, 1907 in Augsburg geboren, Enkel des jüdischen Tuchmachers Samuel Kohn, (dessen Ansiedlung 1836 der bayerische König erlaubt hatte) und Sohn des wohlhabenden Augsburger Kaufmanns und Agenten Eugen Kohn, absolviert in Augsburg erst eine Lehre in der Textilbranche, bevor er Volontär in der berühmten Augsburger Buchhandlung Lampart & Comp wird. Dort lernt er Bert Brecht kennen, dem er immer wieder Bücher ausleiht.

An der Buchhändlerschule in Leipzig wird Kohn politisch aktiv. Am 5. Mai 1933 – fünf Tage vor der Bücherverbrennung – flüchtet er ins Exil nach Hilversum zu seinem Augsburger Freund Paul Baumgärtner. In Hilversum arbeitet Kohn für den sozialistischen Arbeiterrundfunk VARA. Mit dem gleichfalls nach Hilversum geflüchteten Sänger und Schauspieler Ernst Busch tingelt er für VARA mit einem Unterhaltungsprogramm durch die Niederlande: Busch singt Brechts „Solidaritätslied“ auf Niederländisch, Kohn druckt und verkauft es.

Noch 1934 gründet Kohn in Hilversum seinen ersten Verlag: „Boekenvrienden Solidariteit“. Auf Niederländisch druckt und verlegt er, was in Deutschland verbrannt und verbannt wurde. „Brandende Woorden uit Duitschland“ („Brennende Worte aus Deutschland“), der erste Titel, ist sofort ausverkauft. 1939 publiziert Kohn Brechts „Dreigroschenroman“ in seinem Verlag „Het Nederlandsche Boekengilde“. 1940, nach der Besetzung der Niederlande durch das NS-Regime, ist Kohn in permanenter Lebensgefahr, seine verlegerischen Aktivitäten setzt er im Untergrund fort. 1951 gründet er eine bis heute bestehende legendäre Literaturagentur: „Internationaal Literatuur Bureau B.V.“, deren Netzwerk bald um die ganze Welt reicht. Die Agentur wurde 1970 von Hein Kohns Sohn Menno übernommen. Heute wird sie in dritter Generation von Hein Kohns Enkelin Linda Kohn geführt.

„Internationaal Literatuur Bureau B.V.“ feiert 2026 das 75-jährige Bestehen. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth bezeichnete Hein Kohn als den „Kurier des deutschen Geistes in Holland“. Auch wenn Hein Kohn bis zum Ende seines Lebens in Hilversum lebte, blieb er seiner Heimatstadt Augsburg doch eng verbunden. Das Logo für seine Agentur gestaltete 1951 der Augsburger Grafiker Eugen Nerdinger. In den 1970er Jahren beauftragte Kohn den bekannten Städtemaler Ernst Metz mit einem Gemälde von Augsburgs Innenstadt. Dieses Gemälde steht im Rahmen der Ausstellung „Tücher und Bücher“ zum Verkauf. In der Ausstellung sind darüber hinaus spannende Objekte aus Augsburg und den Niederlanden zu sehen, darunter auch solche zu Bert Brecht.

Matinee im Brechthaus: Gespräch mit Hein Kohns Sohn Menno Kohn und seiner Enkelin Linda Kohn

Den Auftakt der ausstellungsbegleitenden Matineen macht eine Veranstaltung am 15. Februar um 11 Uhr:

Menno Kohn und Linda Kohn berichten von ihrer Arbeit in der internationalen Literaturagentur.

Die Veranstaltung verbindet Kunst und Literatur, eröffnet neue Perspektiven auf internationale Zusammenarbeit und bietet Raum für den Austausch mit Verlagen, Autorinnen und Autoren sowie Kulturinteressierten. Der

Eintritt zur Matinee ist frei. Moderiert wird die Veranstaltung von der Kuratorin der Ausstellung Dr. Ingvild Richardsen und Uta Löhrer von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

Beide haben das Begleitprogramm zur Ausstellung konzipiert und moderieren auch die weiteren Matineen im April, September und November jeweils um 11 Uhr im Augsburger Brechthaus zu folgenden Themen:

• 12. April 2026: Auf den Spuren von Brechts „Solidaritätslied“ – 1933/1934: Hein Kohn und Ernst Busch
• 13. September 2026: Exilliteratur und niederländische Verlage nach 1933
• 8. November 2026: Else Dormitzer (1877 – 1958) – „Theresienstädter Bilder“

Abbildung: Hein Kohn (links) gründete 1956 die Literaturagentur „Internationaal Literatuur Bureau B.V.“ Nach ihm wurde sie von seinem Sohn Menno Kohn (Mitte) weiter geführt. Hein Kohns Enkelin Linda Kohn leitet das Unternehmen heute in dritter Generation. Fotos: Menno Kohn/Privatarchiv (links, Mitte), Linda Kohn/Privatarchiv (rechts)

Quelle: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit